Monthly Archives: Mai 2019

Neu: Fotokurse!

Rochuskapelle bei Oberbillig

Ich freue mich, Euch in Zusammenarbeit mit regionalen Volkshochschulen spezialisierte Fotokurse anbieten zu können. Los geht es im Herbst 2019 mit Landschaftsfotografie.

Dieser Kurs baut auf den an der VHS angebotenen Grundlagenkursen auf und stellt ein weiterführendes Angebot dar, um die dort gemachten Kenntnisse zu vertiefen und perfektionieren. In jedem Fall sind Grundkenntnisse und erste Erfahrungen wünschenswert.

Aarley bei Üdersdorf

Die genauen Termine werden noch bekanntgegeben und dann auch hier verlinkt. Die Anmeldung wird direkt über die VHS erfolgen.


Ich würde mich freuen Dich zu sehen …

Falls Ihr Fragen, Wünsche oder Vorschläge dazu habt könnt Ihr Euch gerne direkt an mich wenden.

Landschaften lassen sich am Besten bei besonderen Lichtstimmungen um den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang herum in Szene setzen:

Geisberg bei Schoden
Oberbillig an der Mosel
Kulturlandschaft bei Daun

Eine tief stehende Sonne kann man auch nutzen, um Vordergrundobjekte kontrastreich in Szene zu setzen:

Baumreihe
Freistehender Baum im ersten Licht des Tages

Für viele Situationen benötigt es Vorwissen und perfekte Planung, um auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein:

Totale Mondfinsternis über der Saarburg
Gefrorene Kalktuffquelle im Müllerthal Luxemburg
Posted in Knowledge

Fotogene Füchse

Portrait des jüngsten Fuchses aus dem Wurf, der auf einer Wiese nach Nahrung sucht

Vor kurzem hatte ich die wundervolle Chance, eine Fuchsfamilie beim Aufwachsen zu beobachten. Oft ergibt sich so etwas ja ganz spontan und unerwartet, so auch in diesem Fall. Ein Freund, nennen wir ihn „IM Reinecke“ berichtete über “füchsische” Aktivitäten in der Nähe seines Hauses. Nunja, auch bei uns hinterm Haus sehe und höre ich regelmäßig Füchse, und ich bin mir sicher, dass sie einen Bau in der Nähe haben. Aber es ist mir noch nicht gelungen sie angemessen (=störungsfrei) zu finden oder gar zu beobachten. Doch hier erlaubte die Situation eine Beobachtung, die vermutlich recht nah am Bau ist, aber dennoch keinerlei Störung bedeutet. Dies ergibt sich aus folgender Konstellation: Die beobachtete Fläche und Beobachtungsposition ist in einem bewohnten Bereich, und die Füchse entscheiden selbst über Annäherung. Der Fuchsbau befindet sich vermutlich direkt daneben irgendwo in einem Gestrüpp. Somit kann man aus dem bewohnten Bereich heraus beobachten ohne zusätzliche Störwirkung, denn sie sind den Trubel dort offensichtlich gewöhnt. Die Füchse behalten also ihre „Privatsphäre“ und wählen stets selbst, ob, wann und wie sie in Erscheinung treten. Durch fotografische Aktivitäten würde es sogar eher ruhiger werden, um die Sichtungschance zu erhöhen. Und falls sie sich dennoch gestört fühlen sollten (was übrigens nicht passiert ist), wären sie innerhalb von Sekunden im geschützten Bau. Wir hatten ein Projekt!

Einer der drei anderen Jungfüchse “unserer” Fuchsfamilie

„IM Reinecke” und Familie leisteten hervorragende Vorarbeit, nicht nur beim improvisierten Bau eines kleinen Sichtschutzes, sondern auch beim Auskundschaften und Catering! Schon bald erhielt ich tägliche Statusberichte über die füchsischen Aktivitäten, die teilweise sogar aus dem Haus heraus beobachtet werden konnten. Über mehrere Wochen verteilt saß ich also immer wieder geduldig dort und wartete auf „Action“. Mit steigender Anzahl an Sichtungen stieg selbstverständlich auch der Anspruch an die Fotos, so daß diese bald schon hohen Standards genügten.

Ich glaube das ist Nummer 3 von 4. Weiß er, dass ich da bin?

Ich verfügte bisher über genau das gesunde Allgemeinwissen, welches so ziemlich jeder haben dürfte, und merkte schon bald, dass dieses Projekt einiges zu meinem besseren Verständnis der Lebensherausforderungen für eine Fuchsfamilie beiträgt, und vor allem mit ein paar Allgemeinplätzen aufräumt. So konnte ich unter anderem mehrfach beobachten, dass obwohl sich die Füchse offensichtlich mit der Nähe zur Zivilisation arrangieren, dies dennoch einen gewissen Stress bedeutet. Während weiter entfernt bellende Hunde kaum eine Reaktion auslösten reagierten sie oft auf Hunde in direktem Umfeld, und auch die Hunde scheinen mehrfach die Füchse wahrgenommen und mindestens einmal auch verfolgt zu haben. Auch im Interesse der Hunde selbst müssen diese an solchen Stellen und zu Brutzeiten ausnahmslos an der Leine geführt werden. Auch zum eigenen Schutz, denn ein Hund, der Fuchseltern konfrontiert wird wohl kaum freundlich empfangen.

Unsere Füchse beobachten stets aufmerksam die Umgebung. Hier dreht er sich nach einer auffliegenden Amsel um, die man im Hintergrund rechts oben erkennt.

Eine andere Herausforderung besteht offensichtlich auch hier in der Nahrungsbeschaffung. Die Fähe kümmert sich sehr aufopferungsvoll um den Nachwuchs, und solange sie von ihr gesäugt werden sind die Welpen abhängig von ihr. Kommt sie um, zum Beispiel wie so oft im Straßenverkehr, dann sterben auch die Kleinen. Der Vater kann und wird dies erst auffangen, sobald die Kids schon selbst fressen. Gerade in dieser Zeit fallen mir jedes Jahr vermehrt Füchse auf, die ich z.B. auf dem Arbeitsweg, im Umfeld unseres Hauses, oder auch dieses Jahr schon mehrfach wieder im Ort gesehen habe. Es scheint so, als ob die Aufzucht sehr viel Energie erfordert, der die Eltern zu jeder Zeit hinaustreibt zur Nahrungssuche. Entsprechend gezeichnet erscheint mir die Fähe auf den seltenen Fotos, wo sie zu sehen war.

Die Fähe kümmert sich aufopferungsvoll …
… wofür sie der Nachwuchs vergöttert …

Ab und zu kamen die Jungen zum Spielen auf die Wiese. Meist ging die Aktion vom Kleinsten aus. Insgesamt konnten wir vier Stück zählen. Die Erwachsenen passten manchmal dabei (meist verborgen in der Nähe) auf, waren zunehmend selten und oft auch gar nicht zu sehen. Überhaupt war der Kleinste auch der Mutigste und Neugierigste im Wurf. Er tollte meist recht unbedarft über die Wiese, stöberte am ausgiebigsten herum, und kam mehrfach recht nah zu mir. In der ersten Version dieses Beitrags schrieb ich hier noch, dass er nie hinter den Schutz kam. Doch das stimmt seit kurzem nicht mehr, wie diese sehr spontanen Handyfotos aus 1m Entfernung belegen. Er nährte sich respektvoll aber nicht ängstlich, kam mehrfach und rannte selbst als er mich sah nicht weg.

Huch, da liegt ja ein Spanner!
Achso, nur ein harmloser Fotograf …

Zu seinen eigenen Schutz gab ich ihm keinen weiteren Grund Vertrauen zu fassen, auch wenn die Versuchung groß ist, sondern verhielt mich komplett ruhig und passiv. Nachdem er entschied, dass man mich nicht essen kann trottete er uninteressiert weiter herum. Unser “Mini” war ganz klar der Fotostar dieser Fuchsfamilie, wie man auch auf den folgenden Fotos sehen kann.

Mmmh, der Ginster riecht aber interessant …

Alle Details, die ich erfahren und gelernt habe kann ich hier kaum wiedergeben ohne ein Buch zu schreiben, daher möchte ich Euch die Seite http://fuechse.info empfehlen, wo es zahlreiche weitere Informationen gibt.

Irgendwann, wenn ich mal groß bin, dann komme ich auch ran …

Wenn man freilebende Tiere vernünftig fotografieren möchte kommt man grundsätzlich nicht umhin, dies zu planen und vorzubereiten. Dies ist umso schwieriger und wichtiger, je scheuer und seltener die Tiere sind. Hierbei gilt es einiges zu beachten. An unserem Standort konnten wir, wie bereits erklärt, sicherstellen, daß wir keine Störungen verursachen. Sobald dies gegeben ist möchte man natürlich eine optimale Fotosituation herstellen. Der Fuchs sollte sich hierzu idealerweise in perfektem Licht und passender Entfernung für die verwendete Brennweite befinden.

Auf Nahrungssuche …
Hat wohl nicht geschmeckt …

Sehr hilfreich ist es auch die Verhaltensweisen der Tiere besser zu verstehen. Ich unterteile hier in Mikro- und Makroverhalten. Unter Makroverhalten verstehe ich die Kenntnis über z.B. grundsätzliche Bewegungsmuster, Aktivitätszeiten, usw. Dieses erhält man am ehesten aus Büchern und Berichten. Unter Mikroverhalten verstehe ich eher all die kleinen Dinge, die man wahrnehmen muss, um das perfekte Foto zu schießen. Dazu gehört zum Beispiel vorauszuahnen, wann ein ständig auf dem Boden schnüffelnder Fuchs mal den Kopf heben könnte, oder auch die spezifischen Verhaltensmuster, Aussehen usw. von einzelnen Exemplaren, die auch der Unterscheidung dienen könnten. Dies erhält man am ehesten aus Beobachtung/Erfahrung.

Spät am Abend (und leider daher bei schlechtem Licht) war ausgiebiges Spielen angesagt
Während zwei sich balgen schaut der Dritte interessiert zu …

Wir wussten zum Beispiel, dass die Füchse gerne abends zum Spielen auf die Wiese kommen, und dass sich im hinteren Bereich anscheinend ein oft genutzter Weg zum Bau befindet. Auf der Wiese sah man sie immer wieder auf Nahrungssuche herumstreifen. Es war also nur eine Frage der Tarnung und Geduld bis zum Foto.

Das hohe Gras bietet einen guten Schutz …

Tarntechnisch war es einerseits wichtig, dass die Füchse sich an den improvisierten Sichtschutz gewöhnen konnten. Dies geschah schneller als erwartet, haben sie doch bereits am ersten Abend nach dem Aufbau noch das Umfeld sowohl davor wie auch dahinter erkundet, wie wir aus der Ferne beobachten konnten. Außerdem bemühte ich mich möglichst bei mir entgegenwehendem Wind “anzusitzen”.

Nach einem Versteckspiel …
… siegt am Ende doch die Neugier …

Fototechnisch galt es einiges zu beachten. Details meiner Kameraeinstellungen werde ich wohl mal eingehender in einem separaten Post verarbeiten, hier daher nur soviel: Ich fotografiere in solchen Situationen fast immer im Av Modus (Blendenwahl). Die ISO Automatik in Verbindung mit einer Mindestbelichtungszeit hilft mir diese bei üblicherweise offener Blende entsprechend unter einem vorgegebenen Minimum zu halten (nicht jede Kamera hat diese Funktion). Da hier ein naher Abstand erzielt werden konnte fiel die Wahl natürlich auf KB-Vollformat, womit eine bessere Rauschreduktion, Kontrast, Schärfe und Freistellung erzielt werden können. Um den Fokus optimal auf das Auge richten zu können arbeite ich in solchen Situationen meist nur mit einem einzigen Fokuspunkt. Außerdem nutze ich überwiegend eine Einstellung, die sich “Back Button Focus” nennt und Fokussierung und Belichtungsmessung voneinander trennt.

Zwei Racker bei der Arbeit …

Zuerst fotografierte ich wie meist sonst auch erst mal mit Telekonverter. Als ich erste Fotos im Kasten hatte und mir den Luxus erlauben konnte auf perfekte Situationen zu warten nahm ich ihn ab. Sobald das Licht abnimmt natürlich auch. Fast alle Fotos hier sind mit einem 500mm f/4 entstanden.

Unser Nesthäkchen ist ein echter Fotostar!

Das Licht spielt dabei natürlich eine sehr große Rolle, hier stand die Sonne Abends etwas seitlich links, so daß ich eine schöne Ausleuchtung auch im Fell und Gesicht erzielen konnte. Man möchte kein direktes, hartes Sonnenlicht sondern eher ein weiches Abendlicht, möglichst ganz leicht z.B. von ganz leichten Wolken gestreut und mit warm-hellen Lichtakzenten im Bild. Dass die Füchse sich vor allem Abends zeigten war optimal. Um eine schöne Freistellung zu erreichen war es außerdem wichtig etwas Abstand zum Hintergrund zu erhalten. Die Lichtstimmung war am Besten, wenn die Sonne die dahinter stehenden Bäume in Unschärfe ausleuchtete, doch dies war nicht immer möglich, so dass der Fuchs auf manchen Fotos vor einer für mein Gefühl etwas zu dunklen Fläche freigestellt ist. Doch auch hier können sich interessante Lichtstimmungen und Fotos mit einem anderen Charakter ergeben. Eine bodennahe Position mit ungemähtem Rasen ergibt dann noch eine schöne, verträumte Unschärfe im Vordergrund, auch wenn es auf Dauer doch ordentlich auf den Bewegungsapparat geht, aber für schöne Fotos muß man eben manchmal etwas leiden.

Abendliches Spielen auf der Wiese
Hey, liegt der Typ da etwa immer noch rum?

Ich konnte einmal mehr erleben, wie wunderbar es ist wildlebende Tiere zu beobachten und dabei etwas über ihr Leben und ihre Herausforderungen zu erfahren. Umso unverständlicher und problematischer erscheint mir der Einfluss, den wir auf Füchse ausüben. Sie stellen keinerlei Gefahr für uns dar. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Jäger-Beute Beziehungen sich selbst regeln. Sie tragen einen wichtigen Teil zur Stabilität des Ökosystems bei. Und dennoch werden jedes Jahr weit über eine halbe Million Füchse allein in Deutschland erschossen, und es gibt nicht einmal eine Schonzeit!  Selbst die säugende Fähe darf geschossen werden, wenn vorher die Jungtiere getötet werden. Doch die Argumente der Jagdbefürworter laufen auch praktisch nachweisbar ins Leere: So hat unser Nachbarland Luxemburg das dort seit ein paar Jahren gültige, absolute Jagdverbot nun nach sehr positiven Ergebnissen in den unterschiedlichsten Bereichen erneut verlängert. Es gab u.a. weder eine Zunahme des Fuchsbandwurms noch trat der befürchtete und oft beschworene Reduktionseffekt auf Beutepopulationen ein. Leider wissen „unsere“ Füchse nichts von Ländergrenzen und Regulierungen, sonst wären sie wohl schon längst ausgewandert.

Erwähnte ich bereits, wie fotogen der Kleine ist? 🙂

Meine Beobachtung ist mittlerweile beendet. Weitere Fotos werden in meinem Foto-Feed auf Facebook sporadisch auftauchen. Und mit etwas Glück kann ich dieses Projekt nächstes Jahr noch einmal wiederholen.

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass uns „unsere“ Fuchsfamilie noch lange erhalten bleiben wird und auch die Nachwuchsgenerationen die Herausforderungen meistern werden.

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Island mit Kinderaugen

Die Fotografie von Polarlichtern erfordert viel Aufwand, Geduld, Frustrationstoleranz und ein gewisses Maß fotografischer Kenntnis, Erfahrung sowie Ausrüstung.

Der erste Anblick des Polarlichts war einer der bewegendsten Momente in meinem Leben, den ich wohl nie vergessen werde. Mit Marc (wie ich Hobbyfotograf, Bergsteiger und -damals- Auroranovize) bin ich für dieses Erlebnis nach Island geflogen, mitten in den „Aurora Belt“, wo die Wahrscheinlichkeit für eine Sichtung innerhalb einer Woche bei nahezu 100% liegt. Wir schleppen nicht nur die normale Ausrüstung, sondern viele Fotosachen mit, was uns hart ans Gewichtslimit der Airline bringt. Fotografen ist man hier gewöhnt, denn einige machen sich nun auf den Weg: Die in der dunkleren Jahreshälfte flach stehende Sonne taucht die einmalig schöne Landschaft nun besonders lange in ein goldenes Licht. Und die tiefschwarzen Nächte gelten der Aurorajagd. Wir bewegen uns vom Flughafen bei Keflavik aus auf der Ringstraße. Mehr Offroad trauen wir uns im Winter nicht, denn Island stellt sich uns gleich nach der Landung persönlich vor: Eine Viertelstunde im Schneegestöber folgt übergangslos auf eine Viertelstunde schönsten Sonnenschein. Kurz danach regnet es in Strömen, dann wieder Sonne und peitschender Wind, der bald darauf starken Hagel mit sich bringt. „If you don’t like the weather in Iceland, just wait 5 minutes“ steht auf den überall feilgebotenen T-Shirts. Stimmt.

Ein starkes Polarlicht kann sehr bunt sein, auch visuell. Dieses hier habe ich in der Nähe von Grundarfjördur nachts um 3h aufgenommen. Nachdem es zuerst ruhig war kippte plötzlich jemand einen Eimer Farbe aus und die Nacht war buchstäblich im Eimer.

Unterwegs bieten sich unerwartete Kontraste zwischen endlosen Lavafeldern und Sandern, Gletscherabbrüchen und deren Lagunen, bizarren Felsformationen und vieles mehr. Das alles vermittelt uns den meditativen, rauen Charakter Islands, der nur schwer in Worte zu fassen ist. Zeit ist ein wertvolles Gut, hier wird uns das umso mehr bewusst. Geologische Zeiträume bemessen sich in Jahrtausenden und Jahrmillionen, und so wirkt auch Island wie für die Ewigkeit gemacht. Dennoch verändert der Vulkanismus hier manchmal die Landschaft rapide und überbrückt damit Raum und Zeit auf eine Art, wie man es nur an sehr wenigen Orten auf der Erde erfahren kann.

Links unten, der kleine rote Punkt, das ist die Kamera-LED von meinem Fotokumpel Marc, der sich wie immer ins Bild “drängte” 🙂 In diesem Fall passte das ganz wunderbar, um die Ausmaße des hier sehr hellen Polarlichts zeigen zu können, welches sogar den Vollmond im Hintergrund überstrahlte.

Das Abendessen genießen wir früh in einem Restaurant mit WLAN, während wir mit steigender Anspannung die Sichtungswahrscheinlichkeit im Internet recherchieren. Der isländische Wetterdienst vedur.is bietet nicht nur präzise Vorhersagen, sondern auch Wolkenbedeckungskarten. Anfangs erscheint uns das nebensächlich, doch bei dem rasend schnell wechselnden Wetter erfahren wir bald leidvoll, dass diese noch wichtiger sind. Denn Polarlichter gibt es zu dieser Jahreszeit fast jede Nacht. Nur sehen muss man sie können.

Die vulkanische Aktivität ist auf Island allgegenwärtig in Form von zahlreichen Erscheinungen, hier dem eingefallenen Vulkankegel Hverfjall am Myvatn-See.

Bis Stufe 2 (von 10) bezeichnet der Dienst die Aktivität als niedrig (low). Doch davon sollte man sich nicht beirren lassen, denn bereits diese kann wunderschön sein. Wenn man auch Landschaft/Vordergrundobjekte mitfotografieren möchte ist eine schwächere Aurora sogar von Vorteil. Ein Stativ ist hierfür neben weiterer Ausrüstung essentiell. Ab etwa Stufe 3 (moderate) wird es dann richtig beeindruckend. Wir lernen bald, dass für uns jede Nacht und Stufe etwas zu bieten hat. Schlaf ade!

Die Gletscherlagune Jökulsárlón produziert einen stetigen Nachschub an Gletschereis vom größten Gletscher Europas, dem Vatnajökull. Durch Gezeiteneffekte gelangen diese ins Meer, wo sie am anliegenden Black Sand Beach wunderschöne Fotomotive abgeben und symbolisch für den rauen Charakter der Landschaft stehen.

Rahmenbedingungen für perfekte Polarlichtfotos:

  1. Auswahl einer passenden Lokation. Am besten man scoutet am Tag mehrere Orte aus, mit verschiedenen Expositionen und für verschiedene Himmelsrichtungen und Wetterlagen.
  2. Die Wahrscheinlichtkeit für (starke) Polarlichtaktivität ist höher bei hoher Sonnenaktivität und vor allem bei einer CME. Jedoch stand ich auch schon nach einer CME im Dunkeln, während bei niedriger Aktivität wunderschöne Polarlichter zu sehen waren. Und schlechtes Wetter kann sich schnell ändern. Also grundsätzlich gilt: Immer raus!
  3. Man verfolgt am Tag/Abend davor nun die Wettervorhersage (Wolken!) sowie die Polarlichtaktivität. Hier bietet sich neben der bekannten Seite vedur.is , Spaceweather sowie dem NOAA vor allem auch das Magnetic Observatory und die zusammenfassende Privatseite Agust.net an.
Die Einsamkeit der Landschaft kann man an vielen Orten Islands wunderbar in Szene setzen. Am ehesten gelingt dies vielleicht hier im Nordosten, an einem abgelegen Abschnitt der Ringstraße, wo wir diesen Holzstuhl fernab jeglicher Zivilisation vorfanden.

Nach Einbruch der Nacht verlassen wir unsere Unterkunft und stellen uns kurz nach dem Ortsrand auf. Dunkelgraue Schleier halten wir für Wolken und die Enttäuschung ist mindestens so groß wie die Hoffnung. Doch dass diese vermeintlichen Wolken uns in wenigen Minuten unglaubliche Erlebnisse bescheren werden ahnen wir noch nicht. Erst als wir ein Testbild mit der Kamera machen hört es sich einige Minuten lang so an, als ob ein ganzer Kindergarten Weihnachten feiert. „Wooow“ – „Unglaublich“ – „Yipee“ … Das reine Glücksgefühl durchströmt uns, und wir sind voll und ganz im Moment. Eine schwache Aurora sieht eben aus wie Wolken, und erst die Langzeitbelichtung macht sie sichtbar in ihrer ganzen Pracht.

Die Kombination mit Vordergrundobjekten, wie hier dem Kirkjufell bei Grundarfjördur, setzt das Polarlicht wunderschön in Szene.

Eine gute Dunkeladaption des Auges dauert etwa eine halbe Stunde, kann aber durch helles Licht in Sekunden wieder zerstört sein. Frust also bei jedem vorbeifahrenden Auto. Wir wählen auch aufgrund der Kulisse unsere Standorte tagsüber aus, nur um nachts alle unsere Pläne über Bord zu werfen, denn das Wetter muss mitspielen und ist äußerst wechselhaft. In den Folgenächten machen wir daher oft Jagd auf Wolkenlöcher. Langweilig wird uns nie, nur hundemüde sind wir, denn tagsüber gibt es auch sehr viel Beeindruckendes zu entdecken. Hier findet praktisch jeder Naturfotograf die absolute Erfüllung, egal ob Fauna, Flora oder Landschaft.

Gletscherlagunen bieten einmalige Lichtstimmungen. Bisher ist es mir noch nicht gelungen, hier eine Aurora zu fotografieren. Es wäre allerdings durch die Spiegelung im Wasser ein wunderbarer Spot dafür.

Am letzten Abend kündigt sich eine Aurora höherer Stufe an. Voller Vorfreude gestehen wir uns ein: Müssen wir sehen! Und schlafen können wir ja noch im Flugzeug. Als wir enttäuscht unseren Mietwagen nach einer bewölkten, ersten Nachthälfte noch kurz vor Schließung wollen, ergießt sich über uns innerhalb von Sekunden eine unglaubliche Farbenpracht, und einmal mehr werden wir zu staunenden Kindern, die mit Begeisterung das Wunder der Natur erblicken. Zum letzten Mal kramen wir unsere Fotoausrüstung raus und bauen auf. Die freundliche Mitarbeiterin der lokalen Mietwagenfirma folgt unseren Blicken: „Ah, of course, the Aurora!“ und der Anblick zaubert auch nach Mitternacht ein wissendes Lächeln auf ihr Gesicht. Ob es die Aurora oder die naive Unschuld des Moments war darf gerne ihr Geheimnis bleiben. Island, wir haben unsere Herzen an Dich verloren. Und wir kommen wieder …!

Oft sind die Bedingungen nicht optimal und das Polarlicht ist von Wolken verdeckt. Dennoch gelang mir dieses weitläufige Panoramafoto von der wohl hellsten von mir bisher beobachteten, sehr weit ausgedehnten Aurora, die sogar Teile der Wolkendecke durchleuchtete und in voller Farbenpracht auch visuell erkennbar war.
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