Making Of: Der Blutmond über Trier

“Blutmond” / “Bloody Mary” vom 21.1.2019: Totale Sonnenfinsternis an der Mariensäule in Trier.
Dieses Foto wurde am ersten Standort gemacht mit ca. 200mm Brennweite (s.u.).

Fotos wie diese sind das Ergebnis filigraner Vorbereitung und es muss einiges passen, das solche Fotos zustande kommen. Und damit meine ich nicht nur das Wetter 🙂 Die Blutmond-Serie erhielt sehr viel Resonanz im Netz und diverse Printmedien, und es erreichte mich sehr viel positives Feedback, zahlreiche Fragen und sehr selten auch die Kritik, dass so etwas nur mit Photoshop möglich sei. Hier möchte ich einen kleinen Einblick “hinter die Kulissen” geben, wie man so etwas angeht. Nicht wegen der Kritiker, sondern für die Interessierten zum Mit- und Nachmachen. Viel Spaß, und vor allem Geduld beim Lesen, ich hoffe es lohnt sich für Euch …

*** sorry to all international readers, there is no English version available at the moment … I will try and post a short English translation of this text at a later time ***

Alle Fotos kann man von mir als Druck beziehen gegen eine Aufwandentschädigung. Ich drucke hochwertig mit originaler Canon-Chroma-Tinte auf gutem Fotopapier oder FineArt Papier von A4 bis A2 (Preise ca. 20-50 Euro je nach Größe, Papier …). Am Ende dieses Artikels stelle ich die Fotos zusätzlich unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung (freie, nichtkommerzielle Nutzung und Weitergabe unter den gleichen Lizenzbedingungen bei adäquater Namensnennung, gerne auch mit Link). Für kommerzielle Nutzung bitte direkt bei mir anfragen.

Das klassische Foto eines total verfinsterten Mondes. Durch den niedrig stehenden Mond bot sich jedoch auch die Möglichkeit den Mond mit einem Vordergrundobjekt abzubilden. Dies wären einmalige Fotos, die man nur zu diesem Zeitpunkt so anfertigen könnte, und würden eine ganz besondere Stimmung vermitteln. Das passende Objekt musste gefunden werden!

Fangen wir mit dem einfachen Teil an: Dieser Mond im Perigäum ist 14% größer, und die niedrige Position über dem Horizont ermöglicht Fotos mit Vordergrundobjekten. Außerdem wird es die letzte lokal sichtbare, totale Mondfinsternis auf viele Jahre sein. Viele Gründe, um diese Finsternis auf besondere Art zu fotografieren.

Also begannen mein Mitstreiter Marc (der übrigens auch eine sehr schöne Fotoseite betreibt) und ich mit der Planung. Totalität von 5:41 bis 6:43 Lokalzeit. Der Mond bewegt sich hierbei von 274° Azimuth bei 22° Elevation bis 285° Azimuth und 13° Elevation. Einfach gesagt: Ein solches Objekt sollte auf einem Hügel im Westen stehen, um nahe genug beim Mond zu sein für ein Gruppenfoto.

Allerdings muß dieses Objekt zahlreiche, weitere Bedingungen erfüllen. Es muß auch interessant und erreichbar sein von einem Ort, an dem man sich leicht bewegen kann um die Position präzise einzunehmen. Und es muß die richtige Größe und Distanz haben sowie ein passendes Beleuchtungsniveau für die Komposition mit einem komplett verfinsterten Mond.

Standort 1: Kurz nach Beginn der Totalität. Abstand zur Säule gut 400m, Mond und Säule auf Azimut 278°, Elevation Säule 21° Mond 23°. Es stellte sich heraus, dass der Mond unerwartet leicht unterhalb der Säule stand, wohl aufgrund falscher Geodaten (ein paar Meter machen hier bereits den Unterschied aus), aber glücklicherweise war er dennoch sichtbar und die Situation ergab eine schöne Variation. Hier kamen durch die geringere Distanz überwiegend die kürzeren Telebrennweiten mit näherem Beginn des Schärfebereichs zum Einsatz.

“Interessant” war die Mariensäule dabei von Anfang an. Nicht nur aufgrund ihrer Größe und Position, sondern auch aufgrund des Bezugs zum Thema Blutmond durch die u.a. von Dan Brown und in der Region auch in der Szene recht bekannten Geheimbund-Geocaches verarbeiteten Gerüchte zur Blutlinie Jesu. Ein wunderbarer, verborgener Kontext, der sich nicht jedem direkt erschließen wird, aber spätestens jetzt nach diesem Text wird so manchem ein weiteres Licht aufgehen, nicht wahr?! Und danach würde auch Trier eine echte “Bloody Mary” haben, um auch dieses Wortspiel nicht auszulassen …

Mond “groß machen”, kurz und knapp erklärt:

(1) Die “tatsächliche, visuell erzielbare” Mondgröße auf dem Bild ergibt sich aus der Brennweite (möglichst lang), der verwendeten Auflösung (möglichst hoch), der Sensorgröße (möglichst klein), sowie der visuellen Größe des Mondes am Himmel (möglichst erdnah).

(2) Die “relative” Mondgröße ergibt sich aus dem Verhältnis von Vordergrundobjekt und Hintergrundobjekt. Hierüber läßt sich ein zusätzlicher Effekt der Größenwirkung erzielen.

Zusätzlich beachte man alle Randbedingungen, um Unschärfen (Mondbewegung, Hyperfokaldistanz, Stativ) und Bildrauschen (ISO, Pixelgröße) zu vermeiden, wie hier im Detail erklärt. Diese setzen je nach verwendeter Ausrüstung klare Grenzen in Belichtungszeiten und Objektabständen.

Marc machte sich dabei im Vorfeld als Guide nützlich, indem er nachdem die Vorentscheidung für die Säule gefallen war erst mal die möglichen Standorte und Bewegungsmöglichkeiten vor Ort auskundschaftete und analysierte, von wo aus man diese überhaupt gut sehen kann.

Das Ende der Totalität: Dieses Foto wurde vom zweiten Standort aus gemacht. Der Bereich, von dem man Mond und Säule gemeinsam abbilden konnte, wanderte langsam über die Mosel, daher bewegten wir uns bald von der Westseite auf die Ostseite. Dort stand der Mond dann wieder relativ zur Säule höher am Himmel, durch den flacheren Beobachtungswinkel.

Doch wir mussten weitere Parameter berechnen, um eine Entscheidung zu fällen. Der Mond ist 0.5° groß mit einer Helligkeit von -2mag und daher knapp am Autofokuslimit. Die Größe eines Objektes auf dem Sensor hängt vor allem ab von der Brennweite, also mag man denken, dass man möglichst hohe Brennweiten nutzen sollte: Selbst ein 500mm an Vollformat würde noch ein 4° Feld bieten (also etwa 8 Monddurchmesser). Aber lange Brennweiten haben Nachteile: Sie reagieren empfindlicher auf Vibrationen und benötigen daher ein stabiles Stativ für kurze Belichtungszeiten. Die Einstiegsblende ist höher, was längere Belichtungszeiten erfordert. Und auch die Eigenbewegung wird vergrößert und darf nicht unterschätzt werden: Mit einem 500mm Objektiv sollte 1s nicht überschritten werden, sonst führt die relative Mondbewegung zu Bewegungsunschärfe, besser/sicherer wäre die Hälfte. Ich werde also eine gute Blende/ISO Kombination finden müssen, um gut unter eine Sekunde zu kommen. Mit hohen ISO-Werten ließe sich die Belichtungszeit auf Kosten von Bildrauschen verkürzen. Machbar, aber nur in Grenzen, und an meiner 50MP-Kamera, die ich für hochauflösende Landschaftsaufnahmen gerne nutze, sollten aufgrund der kleinen, rauschanfälligeren Pixel etwa 800 ISO nicht überschritten werden.

Nächstes Problem: Beide Objekte sollten zumindest auf manchen Fotos scharf sein. Der Bereich der Schärfentiefe muss also sowohl Mond wie auch das Objekt umfassen. Aber ein Tele hat einen weit entfernten Hyperfokalpunkt, speziell bei offenen Blendenwerten, welche man für kurze Belichtungen braucht. Lange Brennweiten schränken also die Objektwahl ein: Bei f/4 müßte ein 500mm auf ~2km fokussiert werden, um ein ~1km entferntes Objekt noch scharf abzubilden. Solch ein Objekt muß entsprechend groß sein, da die Objektgröße in die Komposition passen muß. Aus diesem Grund sind weitere Objekte bald aus unserer Vorplanung gefallen, die sonst eigentlich geeignet gewesen wären, aber es ergaben sich einfach keine guten Abstände/Größenverhältnisse.

Der zweite Standort am Moselufer war etwa 785m entfernt von der Säule. Hier die Situation kurz vor Ende der Totalität: Azimuth etwa 281° und Elevation Mond bei rund 15°, Säulenfuß etwa bei 11°. Diese Position erlaubte durch ihren hohen Abstand nun die Verwendung von der längsten, verfügbaren Brennweite von 500mm bei f/5.6.

Wir führten also weitere Berechnungen mit diesen Parametern durch, kombiniert mit lokalem Wissen, um eine Entscheidung zu treffen. Meine Hoffnung bestätigte sich: Die Mariensäule in Trier würde in einer günstigen Position stehen und wäre entsprechend groß, wenn man sie von der Mosel aus fotografiert. Allerdings würden bereits wenige Dutzend Meter Versatz bei der Ortswahl den Mond aus dem Bild bringen, also brauchte es einen detaillierten Plan, der auf der westlichen, näheren Moselseite mit kürzeren Brennweiten begann und auf der anderen Seite mit der längsten Brennweite endete. Der enge Bereich, in dem der Mond nah genug bei der Säule stünde bewegte sich über die Mosel. Wir nutzten Apps wie PlanIt und TPE sowie verschiedene Onlinerechner um Azimuth und Elevation sowie die relativen Sensorgrößen der Objekte abzugleichen. Die Statue war 785m weg und bei f/5.6 wäre die passende Hyperfokaldistanz bei etwa 1.5km, um beides scharf zu erhalten. Das wäre grenzwertig: Eine manuelle Fokussierung wäre fehlerbehaftet, da es keine passenden Fokusobjekte gäbe. Sicher wäre erst f/11, wo der Unendlichkeitsfokus auch die Statue im Schärfentiefefeld beinhaltet. Also entschied ich mich mit verschiedenen Blenden und ISO-Kombinationen zwischen f/4 und f/11 vor Ort manuell auszuprobieren. Am Ende sind die veröffentlichten Fotos alle mit Blenden zwischen f/5.6 – f/8, Belichtungszeiten um etwa eine halbe Sekunde und bei ISO-Werten um 800 entstanden, und die Rechnung ging wie man sehen kann gut auf. Bei den Fotos anderer Blendenstufen waren wie erwartet zu viele (wenn auch teilweise nur sehr kleine) Unschärfen vorhanden. Hier ist mir der Hinweis wichtig, die Reihen sicherheitshalber einfach stur durchzufotografieren, denn auf dem Display vor Ort lassen sich solche Minimalunschärfen meist nicht erkennen. So habe ich von jeder Situation auch kurzbelichtete f/4-Fotos, welche meist leichte Probleme mit dem Schärfefeld aufweisen, und langbelichtete f/11 Fotos, die leicht bewegungsunscharf sind, was jeweils vor Ort so nicht erkennbar war.

Während der Totalität konnte man den Blutmond direkt hinter der Säule positionieren. Hierfür musste man sich in einem kleinen Bereich am Moselufer befinden. Aufgenommen am zweiten Standort mit der höchsten Brennweite von 500mm. Selbst kleinste Positionsänderungen bewirkten ein deutliches Auswandern des Mondes hinter der Säule. Aufgrund der relativen Bewegung des Mondes (0,25° pro Minute) blieb bei dieser Brennweite nur ein kurzes Fenster für Fotos, in denen die Säule den Mond bedeckt: Der Mond wandert somit in wenigen Minuten einmal komplett hinter der Säule vorbei.

Wenige Tage zuvor verbesserte sich der Wetterbericht, also führten wir die Planung zu Ende und standen um halb 5 auf, um gegen 5h morgens vor Ort zu sein. Es war mit -8°C recht kalt und fies, vor allem auch für die Ausrüstung, aber umso besser für scharfe Fotos. Wir konnten von beiden Stellen aus fotografieren und dank der langen Totalitätsphase sowie chaotisch-akribischen Vorbereitung waren auch alle Wunschfotos sicher im Kasten. “Glück” benötigt eben doch harte Arbeit, erwiesenermaßen. 🙂 

Da Du es bis hierher geschafft hast möchte ich mich nochmal für Dein Interesse bedanken. Ich freue mich auf Deine Kommentare/Fragen, hier oder auf Facebook. 

Hier im Anschluß findest Du noch weitere Informationen zur Fotografie des Nachthimmels sowie die ebenfalls sehr gut gelungenen Fotos vom Blutmond in Saarburg 2018.

Denn bereits im letzten Jahr hatten wir schon in Saarburg den Blutmond fotografiert, mit ähnlicher Planung. Damals waren die Bedingungen nicht ganz optimal, da der Abstand zur Burg nicht verlängert werden konnte, aber dennoch gelangen ein paar schöne Fotos mit niedrigen bis mittleren Brennweiten bis in den Telebereich bei etwa 200mm:

27.7.2018: Blutmond und Mars in Opposition, in einer Linie mit der Saarburg. Diese Konstellation dürfte noch seltener sein als der Blutmond hinter der Mariensäule und bot einen wundervollen Anblick vom Weinberg aus, der in dieser Form nur mit einer niedrigeren Brennweite für einen weiten Bildwinkel festgehalten werden konnte. Auch dieses Foto war in akribischer Kleinarbeit so vorausgeplant.

Für Mondfinsternisse gelten auch ein paar grundsätzliche Regeln, die man bei (fast) allen nächtlichen Langzeitbelichtungen mit Himmelsobjekten beachten sollte. Dazu gehört die Berücksichtigung der Relativbewegung (bedingt durch die Erdrotation), die abhängig von der Brennweite nur kurze Belichtungszeiten von einem festen Stativ ohne Nachführung erlaubt (Ausnahmen sind z.B. Strichspurfotos, bei denen man sich gezielt diesen Effekt zunutze macht).

Partiell verfinsterter Mond mit Korona und einem Regenbogeneffekt (Irisierung) in den Wolken, der durch Lichtbeugung in den Wassertropfen entsteht. Weißes, vom Mond reflektierte Sonnenlicht wird unterschiedlich stark abgelenkt und führt zu Farbeffekten.

Außerdem sollte man manuell fokussieren. Das gelingt am Besten, in dem man einen weitestmöglichen Lichtpunkt (heller Stern, sehr weit entfernte Straßenlaterne …) im Live View vergrößert und manuell am Objektiv die Schärfe einstellt. Danach sollte die Schärfe immer wieder kurz überprüft werden und natürlich die Schärfeeinstellung nicht berührt werden.

Blutmond über der Saarburg am 27.7.2018.
Der Mars in Opposition ist rechts unterhalb des Mondes zu erkennen als kleiner Lichtpunkt. Auch damals arbeiteten wir an zwei Standorten, zuerst an diesem hier für Telebrennweiten, später dann für die Gesamtkonstellation (Foto weiter oben) an einem anderen Standort.

Bildrauschen ist immer ein Thema, also sollte man die ISO niedrig halten, und auch den Live-View nach dem manuellen Fokussieren wieder deaktivieren, da sonst die Kamera schneller erhitzt. Um Vibrationen durch Spiegelschlag auszuschließen sollte die Kamera auf eine Spiegelvorauslösung programmiert werden, sonst kann es Verwacklungsspuren geben. Ebenso ist zu empfehlen mindestens 2s Auslöseverzögerung einzustellen und/oder einen Fernauslöser zu verwenden, um Restvibrationen auszuschließen.

Dämmerung und Mondfinsternis fielen zusammen mit dem Mondaufgang und verflachten die Lichtkontraste. Dafür gab es erst mal keine Probleme mit Bildrauschen oder Unschärfe, da die ISO gering und die Belichtungszeiten noch relativ kurz gehalten werden konnten.

Hier erhälst Du alle Fotos zum Download.

Fotos der Mondfinsternisse in Trier am 21.1.2019 und Saarburg am 27.7.2018 von Boris Ruth.

Die Fotos werden von mir als Urheber für nichtkommerzielle Nutzung kostenlos unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt mit der Bedingung der Namensnennung (gerne auch mit Link auf diese Seite oder meine Facebookseite). Außerdem kannst Du bei mir direkt auch Fotodrucke bestellen. Ich kann Dir verschiedene Varianten zu fairen Preisen anbieten.

Du stimmst mit dem Download den Lizenzbestimmungen zu!


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Korea 2018

 

Welch ein Trip! Nach einer Erst-Sichtung der über 7000 mitgebrachten Fotos und damit verbundenen Erinnerungen und Emotionen gefällt mir Korea gleich nochmal so gut. Wir hatten leider nicht allzu viel Glück mit den Bedingungen. Aber der Reihe nach …

Zuerst akklimatisierten wir uns ein paar Tage in Seoul. Von hier aus erkundeten wir auch den Bukhansan NP, der meistbesuchte Nationalpark weltweit, zur Überschreitung des Baegundae Mountain. Die Busreise dorthin ist ein kleines Abenteuer, während der wir unsere rudimentären Kenntnisse in der koreanischen Hangeul-Schrift verfeinerten. Das geht tatsächlich recht schnell und einfach, wenn man die Prinzipien dahinter verstanden hat, so dass man zumindest an der richtigen Haltestelle aussteigt. Ok, alle anderen mit Rucksack sind da auch raus …

Überall ist schnelles Internet kostenlos per WLAN verfügbar. Schnell heißt hier wirklich schnell, das Land führt mit durchschnittlichen Datenraten von 28.6 MBit/s die weltweite Liste an, wie auch den ICT Development Index (Stand 2017). 1 GBit/s (1.000 MBit/s) sind hier für etwa 20$ monatlich zu haben. Zum Vergleich: Die EU möchte in der nun überarbeiteten Digitalen Agenda 2025 zumindest mal 100 MBit/s für alle Haushalte erzielen, das schnellste EU Land Schweden liegt allerdings erst bei 22.5 MBit/s. Deutschland ist weit abgeschlagen mit nur 11.5 MBit/s.

Die nächsten Tage waren geprägt von heftigen Regenschauern und Gewittern, sowohl in Seoul wie dann auch auf der Vulkaninsel Jeju im Gelben Meer. Teilweise waren diese so heftig, dass es nicht einmal mehr möglich war zu sight-joggen, und die geplante Hallasan-Besteigung haben wir erst gar nicht mehr versucht. Die “Red Zone” des in unsere Richtung ziehenden Taifuns hat uns jedoch äußerst knapp verfehlt und ist stattdessen nach Japan abgedreht, wo er über 140 Todesopfer und zahlreiche Schäden verursacht hat. Wir hatten viel Glück.

Jeju ist auch die Insel der Elektromobilität. 2013 gab es gerade mal 160 reine Elektroautos auf der Insel, bei gut 640.000 Einwohnern. In 2017 lag die Zahl bereits bei über 15.000 und es vergeht keine Minute, in der man nicht ein Elektroauto sieht. Es gibt zahlreiche Ladestationen aller Couleur, und ein einschlägig bekanntes, chinesisches Unternehmen hat eine Elektrobusflotte aufgebaut. Die Inselverwaltung fördert die nachhaltige Mobilität seit Jahren massiv.

Unsere letzten Tage auf Jeju waren dann wettertechnisch etwas besser, und wir konnten zumindest noch ein paar wenige goldene und blaue Stunden nutzen, um stimmungsvolle Fotos einmalig schöner Landschaften einzufangen. Hierbei haben wir einige so noch nicht gesehene Perspektiven und Stimmungen gefunden und festgehalten, wie zum Beispiel die kleine Lentikulariswolke am Südstrand von Jeju hinter einer bizarren, vulkanischen Felsformation, die wir für uns “Hundefelsen” getauft haben.

Tradition und Moderne existieren in Korea nah nebeneinander, was sich nicht nur in den schnell wachsenden Baustrukturen zeigt, sondern auch in zahlreichen weiteren Aspekten täglichen Lebens. Hölzerne Strommasten, die als chaotische Straßenverteilung archaisch wirken im IT-Land #1. Das Anmieten traditioneller Kleidung zum Tempelbesuch. Internationale Küche direkt neben klassisch koreanischer Kost, und natürlich die wilde Kombination davon. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen.

Gerade als Deutscher darf auch die Teilung des Landes nicht unerwähnt bleiben. Eine Tour in die Grenzzone war vorgesehen, aber die Touren sind aufgrund der aktuellen, politischen Situation momentan ausgesetzt. Vermutlich sind wir in diesem Aspekt den Koreanern näher als jedem anderen Volk, das noch immer unter der Trennung leidet. Hinweise darauf findet man nur bei genauerem Hinsehen, wie zum Beispiel im Ausbau der modernsten Metro der Welt in Seoul als Schutzbunker mit ABC-Schutzausrüstungen. Man hat sich arrangiert mit der nahen Bedrohung aus dem Norden.

Noch problematisch ist teilweise die Verständigung. Englisch ist auch in den von uns besuchten Ballungszentren nicht gerade an der Tagesordnung und selbst das Hotelpersonal spricht dies oft nicht gut. Dem Erlernen der Sprache stellt sich schnell die fremde Schrift entgegen, und natürlich dass es praktisch keine Gemeinsamkeiten mit europäischen Sprachen gibt. Das Erlernen der Schrift ist einfach und hilfreich, um zumindest Orte auf Schildern identifizieren zu können, wobei dies jedoch meist nicht notwendig ist. Erschwerend kommt hinzu, das Navis nicht funktionieren (Google Maps z.B. routet nicht), und die Eingabe über Englisch nicht möglich oder in mehreren Varianten möglich ist. Tipp: Telefonnummern funktionieren beim Navi zumindest in unserem Mietwagen auch!

Hier ist nun also eine Foto-Erstauswahl. Dieser Post ist als ein lebender Blogeintrag anzusehen. Wir starten mit gut einem Dutzend Fotos. Nach und nach werden weitere hinzukommen. Wer also Interesse gefunden hat sollte ab und zu mal wieder reinschauen.

Alle Fotografien wurden in Seoul, Incheon und auf Jeju im Juni/Juli 2018 angefertigt und unterliegen dem Copyright. Anfragen zur Nutzung gerne über die auf dieser Seite angegebenen Kontakte.

 

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Saar-Mosel Naturkalender 2018

Hier möchte ich Euch eine kleine Bildauswahl meines Saar-Mosel Naturkalenders 2018 vorstellen. Ich möchte damit die Schönheit unserer regionalen Natur vermitteln und Interesse für eigene Erkundungen wecken. Hier gebe ich Euch ein paar Beispiele, mit welcher Motivation ein paar der Bilder entstanden sind.

Tuffquellen im Tal der Schwarzen Ernz

Im Januar gab es eine längere Kälteperiode. Optimal für gefrorene Wasserfälle im Müllerthal. Naja, bis die “großen” Wasserfälle zufrieren braucht es noch einiges mehr. Aber es gibt da so eine kleine, etwas unscheinbarere Quelle am Wegesrand, wo im Sommer das Wasser in Tropfen herunterrieselt. Viele fahren oder laufen hier nur schnell dran vorbei auf dem Weg zum nahegelegenen Schiessentümpel. Und wie man auf dem Foto sieht hatte ich Glück und konnte die beeindruckende Eisformation ablichten.

 

Blässhuhn beim Gründeln

Über den Frühling und Sommer gibt es viele Möglichkeiten bei uns, diverse einheimische Wasservögel zu fotografieren, und diese sind immer ein wichtiger Bestandteil meiner Aktivität. Bei Besuchen an meinen “Hot Spots” sehe und erlebe ich immer wieder Überraschungen. Blässhühner sind bei uns sehr häufig und vor allem in der Balzzeit interessant, da sie sich gerne mal jagen und dabei spektakulär übers Wasser laufen (vielleicht was für den nächsten Kalender?!). Auf diesem Foto war mir jedoch wichtig, einen Farbkontrast zum eigentlich langweiligen, schwarzen Gefieder herzustellen. Dies gelang in einem teilweise eutrophierten Tümpel am Besten, wie man am Ergebnis sehen kann.

 

Winterstimmung an der Oberbilliger Kapelle

Dies ist eine Fotografie aus dem Vorjahreskalender, die jedoch eine wunderschöne Winterstimmung ausdrückt, wie man sie oft hier in der Region erleben kann. Die Winterlandschaft tut ihr übriges dazu in Form eines interessanten kalt/warm-Kontrasts. Das Foto wurde aufgenommen an der Kapelle Oberbillig in Richtung Luxemburg. Vorher musste ich noch diversen Müll von der Wiese räumen. Leider entsorgen hier immer wieder irgendwelche … ihren Kram.

Ich habe nur noch eine sehr begrenzte Restanzahl dieser Kalender verfügbar, die vermutlich in den nächsten Tagen komplett vergriffen sein dürfte. Eventuell erhalte ich von regionalen Auslagen noch Exemplare zurück, es könnte sich also lohnen dann nochmal nachzufragen.

 

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