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Leuchtende Nachtwolken

Leuchtende Nachtwolken, NLCs, noctilucent clouds, sind eine in unserer Region recht seltene Erscheinung, die den meisten hiesigen Beobachtern zuerst gar nicht auffallen dürfte. Denn hier stehen die NLCs meist tief und sind nicht sehr stark, sofern sie überhaupt zu sehen sind. Doch hat man einmal das Glück sie bewusst zu erleben läßt es einen nicht mehr los …

Zahlreiche Infos habe ich von Stefan Krauses wunderbarer NLC Seite übernommen, die ich gerne jedem NLC-Interessierten ans Herz legen möchte.

Was sieht man?

NLCs des Typ II (Streifen) im Juni 2019 von Oberbillig aus fotografiert Richtung Luxemburg

Obwohl es noch (oder schon) recht dunkel ist sieht man am nur noch sehr schwach und horizontnah leuchtenden Himmel unnatürlich hellweiß erstrahlende, feine Strukturen, die an filigrane Zirrenfelder erinnern. Betrachtet man diese eingehender und dunkeladaptiert, und stehen eventuell weitere Wolken am Himmel, dann fällt der Unterschied zu normalen Wolken deutlich ins Auge. Diese erscheinen im Gegensatz dazu nur dunkelgrau bis schwarz, je nach Beleuchtung durch erdgebundene Lichtquellen (zB Stadt). Die Helligkeit der NLCs kann von kaum wahrnehmbar bis sehr auffällig hell reichen und sich theoretisch über weite Teile des Himmels erstrecken, was allerdings bei uns in der Region um Trier eher unwahrscheinlich ist. Es gibt verschiedene Formen wie Streifen, Bänder, Wellen, Wirbel oder Vorhänge.

Fein gegliederte Strukturen beim “Jahrhundertdisplay” im Juni 2019, über Wasserbillig

Wie entstehen NLCs?

Der Begriff “Wolken” ist eigentlich falsch, denn es handelt sich hier tatsächlich wohl um Eiskristalle, die in der Mesopause zwischen ca. 80-85km Höhe entstehen. Diese werden von der knapp unter dem Horizont stehenden Sonne von hinten durchschienen.

2007 wurde zur näheren Untersuchung der eisbedingten Atmosphärenphänomene ein eigener NASA Satellit (AIM) gestartet, da die genauen Zusammenhänge noch unklar sind. Im Artikel auf Wikipedia werden die bisherigen Erkenntnisse gut erklärt.

Schwache, durch Wolken teilweise verdeckte NLCs im Juni 2019 über Trier (visuell 1, kurz 2)

Wann sieht man NLCs?

Der Zeitraum, in dem NLCs überhaupt aus DE heraus gesichtet wurden reicht von 21. Mai bis 18. August (Quelle s.o.), wobei die besten Chancen ab Mitte Juni bis etwa Mitte Juli bestehen.

Grundsätzlich sind NLCs nur in der Dämmerung vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang zu sehen, jeweils im Zeitraum, bei dem die Sonne zwischen 6-16° unter dem Horizont steht, was etwa dem Zeitraum von 1 bis 2 Stunden vor Sonnenauf- bzw. nach -untergang entspricht.

Das bisher mit Abstand beeindruckendste Display unserer Region, am 21.6.2019, von Oberbillig Richtung Wasserbillig/Lux fotografiert. Man beachte die Spiegelung in der Mosel …

Wo sieht man NLCs?

Am Besten sind diese von mittleren 50er Breitengraden aus zu sehen, je weiter südlich man steht, umso schlechter stehen die Chancen. NLC Sichtungen von Breitengraden unter 50° aus sind eher selten.

Da diese in nördlicheren Breiten auftreten sind diese von uns aus praktisch immer zwischen NW bis NO zu sehen. Je nach Breitengrad bestehen bessere oder schlechtere Chancen auf höherstehende NLCs. Am 50. Breitengrad reichen diese selten über 20°, sofern man sie überhaupt sieht.

Bei den sehr späten NLC Erscheinungen geht meist die Farbe zumindest visuell verloren. Auf einem Foto sieht man dennoch weiterhin die Farbunterschiede, daher habe ich das Bild in der Farbgebung angepasst auf den wahrgenommenen Effekt.

Wie plane ich eine Beobachtung?

Es gibt eine Warnliste sowie Forum des Arbeitskreis Meteore e.V. https://www.meteoros.de/themen/nlc/, wo aktuelle Beobachtungen gepostet werden. Wichtig ist hier zu verstehen, daß dies keine Sicherheit bietet, und oft eine sehr geringe Vorwarnzeit, falls überhaupt. Auch die Vorwarnsysteme über MAARSY oder OSWIN sind nur eine grobe Indikation. Daher empfehle ich grundsätzlich im Juni und Juli bei wolkenfreiem Nordhimmel Ausschau zu halten. Gerade bei uns ist meiner bisherigen Erfahrung nach die Anzeige über OSWIN nur eine sehr grobe Indikation. Konkret wird man sehr viele “false positives” erleben, d.h. OSWIN zeigt Echos an, doch es sind bei uns keine NLCs zu sehen. Dies erkläre ich mir durch den Standort (OSWIN steht in Kühlungsborn bei Rostock). Den umgekehrten Fall habe ich bisher noch nicht erlebt.

NLCs über Igel an der Mosel, im Sommer 2014

Wie fotografiere ich NLCs?

Mit dem Handy wird es schwer sein gute NLC Fotos zu erhalten, da diese meist recht lichtschwach sind und lange Belichtungszeiten erfordern. Daher ist in jedem Fall ein Stativ plus DSLR geboten. Je nach Helligkeit sollte die Empfindlichkeit (ISO) möglichst niedrig gehalten werden, um die Strukturen bei geringerem Rauschen besser herausarbeiten zu können. Die Brennweite muß abhängig von der Größe der Erscheinung gewählt werden, meist dürfte diese sich zwischen 50-200mm am KB-Vollformat bewegen. Die Blende möglichst offen, wobei ein leichtes Abblenden zur Reduktion der Einflüsse optischer Fehler (Koma, Aberration, Vignettierung, …) empfehlenswert ist. Dies ist sehr objektivabhängig, pauschal würde ich zumindest 1-2 Blendenstufen empfehlen.

Achtung, da sich NLCs (langsam) verändern und Sterne scheinbar bewegen ist es wichtig, die sich nun ergebenden Belichtungszeit niedrig zu halten. Hier muss ein gutes Mittelmaß gefunden werden. Die 500er Regel ist ein grober Anhaltspunkt: 500/Brennweite in mm = Belichtungszeit in s. Da sich die Sterne im Norden weniger stark bewegen wie in der Nähe des Himmelsäquators dürfte dies meist ausreichen.

Ein hell leuchtender Bogen, aufgenommen am 22.6.2019

Der Fokus sollte manuell gesetzt werden, auch wenn die Kamera noch fokussiert ist sie vermutlich im Grenzbereich. Hierzu aktiviert man das Display, sucht eine weit entfernte, punktförmige Lichtquelle (idealerweise ein Stern) und stellt das Hauptbild scharf. Dann zoomt man auf den Stern und dreht nach. Dies macht man bis zu einer hohen Zoomstufe iterativ.

Um Verwickelungen durch Spiegelschlag auszuschliessen setzt man die Kamera auf Spiegelvorauslösung. Außerdem bietet sich entweder die Auslösung über eine Fernsteuerung oder alternativ mittels des eingebauten Timers an.

Checkliste:

  • Ist das Foto Scharf? (Sterne punktförmig)
  • Belichtungszeit ok? (keine/minimale Strichspuren)
  • Empfindlichkeit? (möglichst niedrig)
  • Histogramm? (keine Tonwertabrisse vor allem links)
  • Keine Verwicklungen? (Spiegelschlag, Stativaufstellung, Timer/Fern)
Nachts um halb vier vom Garten aus fotografiert im Sommer 2016 …

Was tue ich danach?

Bitte unbedingt die Beobachtung melden. Und wenn ihr Eure Fotos veröffentlicht, dann schickt mir ne kurze Info, ich freue mich immer über solche Beobachtungen aus der Region.

Viel Erfolg!

Wellenförmige NLCs, fotografiert am 21.6.2019 über Luxemburg

Neu: Fotokurse!

Rochuskapelle bei Oberbillig

Ich freue mich, Euch in Zusammenarbeit mit regionalen Volkshochschulen spezialisierte Fotokurse anbieten zu können. Los geht es im Herbst 2019 mit Landschaftsfotografie.

Dieser Kurs baut auf den an der VHS angebotenen Grundlagenkursen auf und stellt ein weiterführendes Angebot dar, um die dort gemachten Kenntnisse zu vertiefen und perfektionieren. In jedem Fall sind Grundkenntnisse und erste Erfahrungen wünschenswert.

Aarley bei Üdersdorf

Die genauen Termine werden noch bekanntgegeben und dann auch hier verlinkt. Die Anmeldung wird direkt über die VHS erfolgen.


Ich würde mich freuen Dich zu sehen …

Falls Ihr Fragen, Wünsche oder Vorschläge dazu habt könnt Ihr Euch gerne direkt an mich wenden.

Landschaften lassen sich am Besten bei besonderen Lichtstimmungen um den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang herum in Szene setzen:

Geisberg bei Schoden
Oberbillig an der Mosel
Kulturlandschaft bei Daun

Eine tief stehende Sonne kann man auch nutzen, um Vordergrundobjekte kontrastreich in Szene zu setzen:

Baumreihe
Freistehender Baum im ersten Licht des Tages

Für viele Situationen benötigt es Vorwissen und perfekte Planung, um auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein:

Totale Mondfinsternis über der Saarburg
Gefrorene Kalktuffquelle im Müllerthal Luxemburg

Making Of: Der Blutmond über Trier

“Blutmond” / “Bloody Mary” vom 21.1.2019: Totale Sonnenfinsternis an der Mariensäule in Trier.
Dieses Foto wurde am ersten Standort gemacht mit ca. 200mm Brennweite (s.u.).

Fotos wie diese sind das Ergebnis filigraner Vorbereitung und es muss einiges passen, das solche Fotos zustande kommen. Und damit meine ich nicht nur das Wetter 🙂 Die Blutmond-Serie erhielt sehr viel Resonanz im Netz und diverse Printmedien, und es erreichte mich sehr viel positives Feedback, zahlreiche Fragen und sehr selten auch die Kritik, dass so etwas nur mit Photoshop möglich sei. Hier möchte ich einen kleinen Einblick “hinter die Kulissen” geben, wie man so etwas angeht. Nicht wegen der Kritiker, sondern für die Interessierten zum Mit- und Nachmachen. Viel Spaß, und vor allem Geduld beim Lesen, ich hoffe es lohnt sich für Euch …

*** sorry to all international readers, there is no English version available at the moment … I will try and post a short English translation of this text at a later time ***

Alle Fotos kann man von mir als Druck beziehen gegen eine Aufwandentschädigung. Ich drucke hochwertig mit originaler Canon-Chroma-Tinte auf gutem Fotopapier oder FineArt Papier von A4 bis A2 (Preise ca. 20-50 Euro je nach Größe, Papier …). Am Ende dieses Artikels stelle ich die Fotos zusätzlich unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung (freie, nichtkommerzielle Nutzung und Weitergabe unter den gleichen Lizenzbedingungen bei adäquater Namensnennung, gerne auch mit Link). Für kommerzielle Nutzung bitte direkt bei mir anfragen.

Das klassische Foto eines total verfinsterten Mondes. Durch den niedrig stehenden Mond bot sich jedoch auch die Möglichkeit den Mond mit einem Vordergrundobjekt abzubilden. Dies wären einmalige Fotos, die man nur zu diesem Zeitpunkt so anfertigen könnte, und würden eine ganz besondere Stimmung vermitteln. Das passende Objekt musste gefunden werden!

Fangen wir mit dem einfachen Teil an: Dieser Mond im Perigäum ist 14% größer, und die niedrige Position über dem Horizont ermöglicht Fotos mit Vordergrundobjekten. Außerdem wird es die letzte lokal sichtbare, totale Mondfinsternis auf viele Jahre sein. Viele Gründe, um diese Finsternis auf besondere Art zu fotografieren.

Also begannen mein Mitstreiter Marc (der übrigens auch eine sehr schöne Fotoseite betreibt) und ich mit der Planung. Totalität von 5:41 bis 6:43 Lokalzeit. Der Mond bewegt sich hierbei von 274° Azimuth bei 22° Elevation bis 285° Azimuth und 13° Elevation. Einfach gesagt: Ein solches Objekt sollte auf einem Hügel im Westen stehen, um nahe genug beim Mond zu sein für ein Gruppenfoto.

Allerdings muß dieses Objekt zahlreiche, weitere Bedingungen erfüllen. Es muß auch interessant und erreichbar sein von einem Ort, an dem man sich leicht bewegen kann um die Position präzise einzunehmen. Und es muß die richtige Größe und Distanz haben sowie ein passendes Beleuchtungsniveau für die Komposition mit einem komplett verfinsterten Mond.

Standort 1: Kurz nach Beginn der Totalität. Abstand zur Säule gut 400m, Mond und Säule auf Azimut 278°, Elevation Säule 21° Mond 23°. Es stellte sich heraus, dass der Mond unerwartet leicht unterhalb der Säule stand, wohl aufgrund falscher Geodaten (ein paar Meter machen hier bereits den Unterschied aus), aber glücklicherweise war er dennoch sichtbar und die Situation ergab eine schöne Variation. Hier kamen durch die geringere Distanz überwiegend die kürzeren Telebrennweiten mit näherem Beginn des Schärfebereichs zum Einsatz.

“Interessant” war die Mariensäule dabei von Anfang an. Nicht nur aufgrund ihrer Größe und Position, sondern auch aufgrund des Bezugs zum Thema Blutmond durch die u.a. von Dan Brown und in der Region auch in der Szene recht bekannten Geheimbund-Geocaches verarbeiteten Gerüchte zur Blutlinie Jesu. Ein wunderbarer, verborgener Kontext, der sich nicht jedem direkt erschließen wird, aber spätestens jetzt nach diesem Text wird so manchem ein weiteres Licht aufgehen, nicht wahr?! Und danach würde auch Trier eine echte “Bloody Mary” haben, um auch dieses Wortspiel nicht auszulassen …

Mond “groß machen”, kurz und knapp erklärt:

(1) Die “tatsächliche, visuell erzielbare” Mondgröße auf dem Bild ergibt sich aus der Brennweite (möglichst lang), der verwendeten Auflösung (möglichst hoch), der Sensorgröße (möglichst klein), sowie der visuellen Größe des Mondes am Himmel (möglichst erdnah).

(2) Die “relative” Mondgröße ergibt sich aus dem Verhältnis von Vordergrundobjekt und Hintergrundobjekt. Hierüber läßt sich ein zusätzlicher Effekt der Größenwirkung erzielen.

Zusätzlich beachte man alle Randbedingungen, um Unschärfen (Mondbewegung, Hyperfokaldistanz, Stativ) und Bildrauschen (ISO, Pixelgröße) zu vermeiden, wie hier im Detail erklärt. Diese setzen je nach verwendeter Ausrüstung klare Grenzen in Belichtungszeiten und Objektabständen.

Marc machte sich dabei im Vorfeld als Guide nützlich, indem er nachdem die Vorentscheidung für die Säule gefallen war erst mal die möglichen Standorte und Bewegungsmöglichkeiten vor Ort auskundschaftete und analysierte, von wo aus man diese überhaupt gut sehen kann.

Das Ende der Totalität: Dieses Foto wurde vom zweiten Standort aus gemacht. Der Bereich, von dem man Mond und Säule gemeinsam abbilden konnte, wanderte langsam über die Mosel, daher bewegten wir uns bald von der Westseite auf die Ostseite. Dort stand der Mond dann wieder relativ zur Säule höher am Himmel, durch den flacheren Beobachtungswinkel.

Doch wir mussten weitere Parameter berechnen, um eine Entscheidung zu fällen. Der Mond ist 0.5° groß mit einer Helligkeit von -2mag und daher knapp am Autofokuslimit. Die Größe eines Objektes auf dem Sensor hängt vor allem ab von der Brennweite, also mag man denken, dass man möglichst hohe Brennweiten nutzen sollte: Selbst ein 500mm an Vollformat würde noch ein 4° Feld bieten (also etwa 8 Monddurchmesser). Aber lange Brennweiten haben Nachteile: Sie reagieren empfindlicher auf Vibrationen und benötigen daher ein stabiles Stativ für kurze Belichtungszeiten. Die Einstiegsblende ist höher, was längere Belichtungszeiten erfordert. Und auch die Eigenbewegung wird vergrößert und darf nicht unterschätzt werden: Mit einem 500mm Objektiv sollte 1s nicht überschritten werden, sonst führt die relative Mondbewegung zu Bewegungsunschärfe, besser/sicherer wäre die Hälfte. Ich werde also eine gute Blende/ISO Kombination finden müssen, um gut unter eine Sekunde zu kommen. Mit hohen ISO-Werten ließe sich die Belichtungszeit auf Kosten von Bildrauschen verkürzen. Machbar, aber nur in Grenzen, und an meiner 50MP-Kamera, die ich für hochauflösende Landschaftsaufnahmen gerne nutze, sollten aufgrund der kleinen, rauschanfälligeren Pixel etwa 800 ISO nicht überschritten werden.

Nächstes Problem: Beide Objekte sollten zumindest auf manchen Fotos scharf sein. Der Bereich der Schärfentiefe muss also sowohl Mond wie auch das Objekt umfassen. Aber ein Tele hat einen weit entfernten Hyperfokalpunkt, speziell bei offenen Blendenwerten, welche man für kurze Belichtungen braucht. Lange Brennweiten schränken also die Objektwahl ein: Bei f/4 müßte ein 500mm auf ~2km fokussiert werden, um ein ~1km entferntes Objekt noch scharf abzubilden. Solch ein Objekt muß entsprechend groß sein, da die Objektgröße in die Komposition passen muß. Aus diesem Grund sind weitere Objekte bald aus unserer Vorplanung gefallen, die sonst eigentlich geeignet gewesen wären, aber es ergaben sich einfach keine guten Abstände/Größenverhältnisse.

Der zweite Standort am Moselufer war etwa 785m entfernt von der Säule. Hier die Situation kurz vor Ende der Totalität: Azimuth etwa 281° und Elevation Mond bei rund 15°, Säulenfuß etwa bei 11°. Diese Position erlaubte durch ihren hohen Abstand nun die Verwendung von der längsten, verfügbaren Brennweite von 500mm bei f/5.6.

Wir führten also weitere Berechnungen mit diesen Parametern durch, kombiniert mit lokalem Wissen, um eine Entscheidung zu treffen. Meine Hoffnung bestätigte sich: Die Mariensäule in Trier würde in einer günstigen Position stehen und wäre entsprechend groß, wenn man sie von der Mosel aus fotografiert. Allerdings würden bereits wenige Dutzend Meter Versatz bei der Ortswahl den Mond aus dem Bild bringen, also brauchte es einen detaillierten Plan, der auf der westlichen, näheren Moselseite mit kürzeren Brennweiten begann und auf der anderen Seite mit der längsten Brennweite endete. Der enge Bereich, in dem der Mond nah genug bei der Säule stünde bewegte sich über die Mosel. Wir nutzten Apps wie PlanIt und TPE sowie verschiedene Onlinerechner um Azimuth und Elevation sowie die relativen Sensorgrößen der Objekte abzugleichen. Die Statue war 785m weg und bei f/5.6 wäre die passende Hyperfokaldistanz bei etwa 1.5km, um beides scharf zu erhalten. Das wäre grenzwertig: Eine manuelle Fokussierung wäre fehlerbehaftet, da es keine passenden Fokusobjekte gäbe. Sicher wäre erst f/11, wo der Unendlichkeitsfokus auch die Statue im Schärfentiefefeld beinhaltet. Also entschied ich mich mit verschiedenen Blenden und ISO-Kombinationen zwischen f/4 und f/11 vor Ort manuell auszuprobieren. Am Ende sind die veröffentlichten Fotos alle mit Blenden zwischen f/5.6 – f/8, Belichtungszeiten um etwa eine halbe Sekunde und bei ISO-Werten um 800 entstanden, und die Rechnung ging wie man sehen kann gut auf. Bei den Fotos anderer Blendenstufen waren wie erwartet zu viele (wenn auch teilweise nur sehr kleine) Unschärfen vorhanden. Hier ist mir der Hinweis wichtig, die Reihen sicherheitshalber einfach stur durchzufotografieren, denn auf dem Display vor Ort lassen sich solche Minimalunschärfen meist nicht erkennen. So habe ich von jeder Situation auch kurzbelichtete f/4-Fotos, welche meist leichte Probleme mit dem Schärfefeld aufweisen, und langbelichtete f/11 Fotos, die leicht bewegungsunscharf sind, was jeweils vor Ort so nicht erkennbar war.

Während der Totalität konnte man den Blutmond direkt hinter der Säule positionieren. Hierfür musste man sich in einem kleinen Bereich am Moselufer befinden. Aufgenommen am zweiten Standort mit der höchsten Brennweite von 500mm. Selbst kleinste Positionsänderungen bewirkten ein deutliches Auswandern des Mondes hinter der Säule. Aufgrund der relativen Bewegung des Mondes (0,25° pro Minute) blieb bei dieser Brennweite nur ein kurzes Fenster für Fotos, in denen die Säule den Mond bedeckt: Der Mond wandert somit in wenigen Minuten einmal komplett hinter der Säule vorbei.

Wenige Tage zuvor verbesserte sich der Wetterbericht, also führten wir die Planung zu Ende und standen um halb 5 auf, um gegen 5h morgens vor Ort zu sein. Es war mit -8°C recht kalt und fies, vor allem auch für die Ausrüstung, aber umso besser für scharfe Fotos. Wir konnten von beiden Stellen aus fotografieren und dank der langen Totalitätsphase sowie chaotisch-akribischen Vorbereitung waren auch alle Wunschfotos sicher im Kasten. “Glück” benötigt eben doch harte Arbeit, erwiesenermaßen. 🙂 

Da Du es bis hierher geschafft hast möchte ich mich nochmal für Dein Interesse bedanken. Ich freue mich auf Deine Kommentare/Fragen, hier oder auf Facebook. 

Hier im Anschluß findest Du noch weitere Informationen zur Fotografie des Nachthimmels sowie die ebenfalls sehr gut gelungenen Fotos vom Blutmond in Saarburg 2018.

Denn bereits im letzten Jahr hatten wir schon in Saarburg den Blutmond fotografiert, mit ähnlicher Planung. Damals waren die Bedingungen nicht ganz optimal, da der Abstand zur Burg nicht verlängert werden konnte, aber dennoch gelangen ein paar schöne Fotos mit niedrigen bis mittleren Brennweiten bis in den Telebereich bei etwa 200mm:

27.7.2018: Blutmond und Mars in Opposition, in einer Linie mit der Saarburg. Diese Konstellation dürfte noch seltener sein als der Blutmond hinter der Mariensäule und bot einen wundervollen Anblick vom Weinberg aus, der in dieser Form nur mit einer niedrigeren Brennweite für einen weiten Bildwinkel festgehalten werden konnte. Auch dieses Foto war in akribischer Kleinarbeit so vorausgeplant.

Für Mondfinsternisse gelten auch ein paar grundsätzliche Regeln, die man bei (fast) allen nächtlichen Langzeitbelichtungen mit Himmelsobjekten beachten sollte. Dazu gehört die Berücksichtigung der Relativbewegung (bedingt durch die Erdrotation), die abhängig von der Brennweite nur kurze Belichtungszeiten von einem festen Stativ ohne Nachführung erlaubt (Ausnahmen sind z.B. Strichspurfotos, bei denen man sich gezielt diesen Effekt zunutze macht).

Partiell verfinsterter Mond mit Korona und einem Regenbogeneffekt (Irisierung) in den Wolken, der durch Lichtbeugung in den Wassertropfen entsteht. Weißes, vom Mond reflektierte Sonnenlicht wird unterschiedlich stark abgelenkt und führt zu Farbeffekten.

Außerdem sollte man manuell fokussieren. Das gelingt am Besten, in dem man einen weitestmöglichen Lichtpunkt (heller Stern, sehr weit entfernte Straßenlaterne …) im Live View vergrößert und manuell am Objektiv die Schärfe einstellt. Danach sollte die Schärfe immer wieder kurz überprüft werden und natürlich die Schärfeeinstellung nicht berührt werden.

Blutmond über der Saarburg am 27.7.2018.
Der Mars in Opposition ist rechts unterhalb des Mondes zu erkennen als kleiner Lichtpunkt. Auch damals arbeiteten wir an zwei Standorten, zuerst an diesem hier für Telebrennweiten, später dann für die Gesamtkonstellation (Foto weiter oben) an einem anderen Standort.

Bildrauschen ist immer ein Thema, also sollte man die ISO niedrig halten, und auch den Live-View nach dem manuellen Fokussieren wieder deaktivieren, da sonst die Kamera schneller erhitzt. Um Vibrationen durch Spiegelschlag auszuschließen sollte die Kamera auf eine Spiegelvorauslösung programmiert werden, sonst kann es Verwacklungsspuren geben. Ebenso ist zu empfehlen mindestens 2s Auslöseverzögerung einzustellen und/oder einen Fernauslöser zu verwenden, um Restvibrationen auszuschließen.

Dämmerung und Mondfinsternis fielen zusammen mit dem Mondaufgang und verflachten die Lichtkontraste. Dafür gab es erst mal keine Probleme mit Bildrauschen oder Unschärfe, da die ISO gering und die Belichtungszeiten noch relativ kurz gehalten werden konnten.

Hier erhälst Du alle Fotos zum Download.

Fotos der Mondfinsternisse in Trier am 21.1.2019 und Saarburg am 27.7.2018 von Boris Ruth.

Die Fotos werden von mir als Urheber für nichtkommerzielle Nutzung kostenlos unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt mit der Bedingung der Namensnennung (gerne auch mit Link auf diese Seite oder meine Facebookseite). Außerdem kannst Du bei mir direkt auch Fotodrucke bestellen. Ich kann Dir verschiedene Varianten zu fairen Preisen anbieten.

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